Anne mit den roten Haaren
Unserer Redaktion lagen die Folgen 1-6 des berühmten Anime „Anne mit den roten Haaren“ vor. Viele kennen und lieben diese Serie noch aus den Fernsehausstrahlungen in den 80er Jahren. Auch wer keine Kindheitserinnerungen mit diesen Filmen verbindet wird von der Qualität rundum überzeugt sein. Die rennomierte Zeichentrickfirma Nippon Animation und der erfolgreiche Regisseur Isao Takahata, die unter anderem für die Produktion der bekanntesten japanischen Animes wie „Heidi“ und „Niklaas der Junge aus Flandern“ bekannt sind, haben auch mit diesem Werk Filmgeschichte geschrieben.
Nicht nur die filmische Umsetzung begeistert, sondern auch das Drehbuch. Der Kinderbuchklassiker „Anne auf Green Gables“ aus der Feder von Lucy Maud Montgomery erzählt einfühlsam aus dem Leben des kleinen Waisenmädchens Anne Shirley, das im Jahr 1870 als 11-jähriges Mädchen schwer an seiner traurigen Biografie trägt, sich aber vom Leben nicht brechen lässt. Als sie endlich an Adoptiveltern vermittelt wurde, stellt sich das Ganze schnell als fataler Irrtum heraus. Die älteren Bauersleute, Marilla und ihr Bruder Matthew Cuthbert wollten eigentlich einen Jungen adoptieren, der als Arbeitskraft auf dem kleinen Bauernhof zupacken soll. Durch ihre intelligente, stets philosophische und mysthische Art, verbunden mit kindlicher Naivität und einem kaum zu bremsenden Plappermaul zieht sie jedoch schnell ihre Umgebung in ihren Bann. Da sie nicht nur sympathisch sondern auch fleißig und lernwillig ist, überzeugt sie die Cuthbert-Geschwister, dass sie bleiben darf.
Für heutige Kinder ist das Schicksal der kleinen Anne kaum fassbar. Im Jahr 1870, als Anne nach Green Gables kam, waren Kinder rechtlose Wesen und Kinderarbeit weit verbreitet. Die Lebenserwartung war niedrig, Hunger und Armut weit verbreitet. Die Geschichte wird aber so bildreich und detailliert erzählt, dass auch moderne Kinder in Annes Welt eintauchen können. So wird mit dieser Erzählung Geschichte für Kinder lebendig und nachfühlbar. Anne bietet vor allem für Mädchen eine gute Identifikationsfigur, die es dem Kind erleichtert, sich mit dem Alltag zum Ende des 19. Jahrhunderts im ländlichen kanadischen Raum auseinanderzusetzen.
Typisch für diese Zeit in Kanada ist auch der tiefe Glauben der Landbevölkerung an Gott. Marilla verlangt selbstverständlich von Anne, dass diese das Beten lernt und eine gute Christin wird. Atheistische Eltern mag dies auf den ersten Blick befremden. Auch wenn man sein Kind atheistisch erziehen will, kann man diese Filme trotzdem im Sinne der Toleranzerziehung nutzen und seinem Kind grundlegendes Wissen über eine der Weltreligionen näher bringen, da der Film nicht missionarisch angehaucht ist.
Die FSK hat diese Serie mit einer Altersempfehlung ab 6 Jahren versehen. Der Grund hierfür ist vermutlich, dass man davon ausging, dass die Leidensgeschichte des Waisenkindes Kinder emotional stark belasten kann. In Folge 4 erzählt Anne Marilla das ganze Elend, das sie als Waise erlebt hat, beispielsweise auch die schwere Zeit in einer Adoptivfamilie, deren Oberhaupt Alkoholiker war. Diese Szenen sind allerdings nur ansatzweise grafisch umgesetzt, so dass sie Kindern unter 6 Jahren eher schwer erschließbar sind. Die restlichen uns vorliegenden Folgen waren allerdings wesentlich weniger belastend. Da zu Beginn jeder Folge eine kurze Zusammenfassung des letzten Teils gegeben wird, kann man bei Bedarf die 4. Folge einfach seinen Kindern ersparen. Da der gesamte Film oft von Annes langen und philosophischen Dialogen getragen wird, wird der Film jüngeren Kindern ohnehin schnell langweilig. Im Vergleich zur Sprache in heutigen Kinderfilmen wirken Annes Monologe teilweise fast literarisch. Der Film ist auf jeden Fall ein gutes Sprachvorbild.
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